Vom Zauberapfel und der besonderen Waffelfüllung

Liebe Pfullingerinnen und Pfullinger, liebe Leserinnen und Leser,

früher war natürlich bei weitem nicht alles besser, aber dafür waren so manche Dinge im Alltag auf eine wohltuend besondere Art mehr oder weniger anders.


Ein Kindergarten- und Schulleben ab dem Jahr 1966 in Pfullingen bedeutete für uns Kinder durchaus noch längere Fußwege, wollte man morgens in den Kindergarten. Ein heute oftmals üblicher, ständiger Bring- und Abholdienst seitens der Eltern mittels Auto, und seien es nur rund 150 bis 200 Meter einfache Strecke, war damals völlig undenkbar! Und von uns Kindern wäre diese Art des „Bringens“ auch nicht erwünscht gewesen. Denn wir wollten diese täglichen kleinen Freiräume für selbstständige, gemeinsame Entdeckungen unbedingt!


So gab es genügend Kinder, die etwa jeden Tag immer gruppenweise die Strecke vom Eninger Weg, dabei stets vorsichtig den unbeschrankten Bahnübergang in der Zeilstraße überquerend, in den Kindergarten Burgweg in der Kaiserstraße und wieder zurück nach Hause hinter sich brachten. In der Gruppe waren wir stark und zählten uns natürlich schon zu den Großen.


Und für die Kinder von der äußeren Klosterstraße war der Weg zum Kindergarten in der Schulstraße in Pfullingens Stadtmitte und wieder zurück zwar nicht unbedingt kürzer, aber dafür zu Fuß umso interessanter.


Denn da gab immer so allerhand zu entdecken, auch legten wir Kinder nur allzu gerne größere und kleinere Pausen vor allem auf unserem Heimweg ein, denn wir hatten – oder besser gesagt, wir nahmen uns gerne die Zeit: schon wenige Meter nach dem Kindergarten den Bäckergesellen vom Hafendörfer beim Brote einnetzen zuschauend, dann ein Stückchen weiter ein Blick nach links in die Fahrradwerkstatt Flaig, kurz darauf ein kleiner Halt bei Schmied Paul Schrade in der Großen Heerstraße, um staunend die Wartung der großen Lastwagen oder Lkw-Anhänger noch etwas besser aus der Nähe beobachten zu können, anschließend etwas oberhalb vorbei an der Firma Turmuhren-Walz, dann rechts langsam entlang des Wasserkanals an der Getreidemühle Wilhelm Haydt vorbeitrödelnd, dabei manchmal auch vor mitunter sehr angriffslustigen Enten oder Gänsen flüchtend, in diesem Fall dann schnell über „Schlegels Bückele“ links hinunter in die Klosterstraße laufend, vorbei an Pfullingens erstem kleinen Supermarkt, dem „Discount“ von Heinz Schwörer, danach ein kleiner Abstecher zu Bäcker Fritz Rehm in die immer so angenehm nach frischem Brot duftende Backstube und schließlich noch ein kurzer Besuch in der Kellerwerkstatt bei Schuhmacher Bernhard Rath in der Klosterstraße – das war immer alles ganz schön abwechslungsreich, zugleich spannend und doch sehr vertraut.


Es waren neben dem Gesehenen vor allem auch die Begegnungen mit den Menschen, die wir von ihrer beruflichen Tätigkeit her kannten und die auf unsere löchernden Fragen immer kompetent und geduldig erklärend antworten konnten.


Wir Kinder haben in kleinen Gruppen diese längeren Fußmärsche nicht nur gut überstanden, sondern haben diese Freiheit auf den Kindergarten- und Schulwegen wahrlich genossen, es war ganz einfach eine tolle, schöne Zeit! Daheim angekommen, erwartete uns manchmal zwar noch eine kleine Standpauke fürs Zuspätkommen in punkto Mittagessenszeit, aber wir Kinder hatten immer viel zu erzählen beim gemeinsamen Mittagessen.


Als Vesper für den Kindergarten oder für die Schule gab es oftmals von zuhause originelle Kleinigkeiten in das Vesperdöschen verpackt.

Für mich war etwa der „Zauberapfel“ als damals schon gesundes Pausenvesper einfach faszinierend: von außen im Gesamten auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Apfel von heimischen Streuobstwiesen ausschauend, der sich, raffiniert von meiner Mutter in Zacken eingeschnitten, immer wieder ganz toll öffnen und verschließen ließ – wahrlich zauberhaft und ein solcher „Zauberapfel“ schmeckte natürlich auch viel besser!


Und hatten wir Kinder einmal ein paar Pfennige in der Hosentasche, so konnte man sich vielleicht ab und zu eine kleine, aber feine Köstlichkeit der besonderen Art in einer der damals noch sehr zahlreich am Ort bestehenden Familienbäckereien oder in einem der vielen Milcherläden der Pfullinger Milchgenossenschaft in Form eines tollen „Schlecks“ kaufen: eine frisch aufgeschlagene Sahne, serviert in einer Waffeltüte oder auf einem Waffelstück…


Übrigens: so ein „Zauberapfel“ lässt sich bis heute ebenso wie auch die „Waffelschlagsahne“ als besondere Füllung in einer gemeinsamen Aktion zuhause sehr einfach selbst herstellen.

Auch wenn wir uns momentan aus gegenseitiger Rücksicht, Vorsorge und Schutzgründen nicht besuchen sollen – online, am Telefon oder auch per Brief können sich die Generationen ganz bequem und sicher über das Herstellen und Verkosten gegenseitig austauschen und berichten.

Am besten gleich ausprobieren! Das macht Spaß und schmeckt toll!


Sie haben Fragen oder Anregungen – schreiben Sie uns unter mail@uwv-pfullingen.de


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen der UWV Pfullingen eine gute Zeit in schwierigen Tagen – bleiben Sie behütet und gesund!

Ihr Martin Fink



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