Pfullinger Geschichten – Der Lieblingsbaum…

Liebe Pfullingerinnen und Pfullinger, liebe Leserinnen und Leser,

„Pfullingen liegt im fruchtbarsten Obstgarten, in der lieblichsten, mildesten Gegend“ – so schrieb der schwäbische Dichter Gustav Schwab im Jahr 1823 über unsere Stadt.

Und tatsächlich wird unsere Gemarkung, vor der allerersten Gemeindereform eine der größten in Württemberg, noch bis heute durch die zahlreichen Streuobstwiesen und die sehr abwechslungsreiche Vegetation in Wald und Flur ganz besonders geprägt.

Und wenn wir in diesen für uns alle sehr unsicheren Tagen aus dem Fenster, vom Balkon oder der Terrasse in die Gärten schauen oder vereinzelt stets verantwortungsbewusst unter strenger Beachtung der aktuell geltenden Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen in Verbindung mit dem zwingend notwendigen Abstand vielleicht sogar einen kleinen Spaziergang unternehmen, können wir gerade jetzt im Frühling diese aufbrechende Vielfalt der Pflanzen in ihrer ganzen Farbenpracht genießen.

Teilweise schon leuchtend blühende Obstbäume jeglichen Alters, knorrige Eichen und Buchen, welche so typisch für unseren Albtrauf in und um Pfullingen sind, aber auch Ahorn, Linden und Platanen mitten in der Stadt, bieten uns fest verwurzelt viele Möglichkeiten für interessante Entdeckungen in fast jeder Jahreszeit.

Dabei können vor allem Bäume vieles bewirken. Neben ihrer wichtigen Funktion hinsichtlich des ökologischen Gleichgewichts sind sie vielfach Nahrungslieferant für Menschen und Tiere. Bei manchen Ausflügen bieten uns Bäume oftmals willkommenen Schutz bei einem überraschenden Regenschauer und sind gern genutzte Schattenspender an sonnig-warmen Frühjahrs- und Sommertagen.

Und vielleicht suchen wir sogar ein und denselben Baum immer wieder gerne auf. Das ist bei mir genauso. Deshalb möchte ich Ihnen kurz über meinen Lieblingsbaum erzählen:

Es ist die Bismarckeiche hoch oben über der Stadt an der Kiessteige, beim Kindergarten Kühnenbach. Im Jahr 1915 wurde der Baum aus Anlass des 100. Geburtstages des einstigen Reichskanzlers Otto von Bismarck gepflanzt.

Doch zunächst hatte die Stadt Pfullingen mit der Anpflanzung kein Glück. Der erste Setzling verkümmerte, ebenso der zweite. Da entdeckten die Stadtoberen mehrere kleine Eichenbäumchen in einem Garten in der Pfullinger Altstadt, ganz in der Nähe des heutigen „Echazbades“, dessen Besitzer einst gerne einen Setzling der Stadt als Bismarckeiche Versuch Nummer drei überließ. Es hat sich mehr als gelohnt, wenn man die Prachteiche heute anschaut. Allerdings stimmt die Blattgröße so gar nicht mit der einer deutschen Bismarckeiche überein – denn die Blätter der Pfullinger Bismarckeiche sind deutlich größer.

Es stellte sich heraus, dass der Pfullinger Familienvater, der das Eichenbäumchen stiftete, einst in Russland war und dort für seine Familie daheim in Pfullingen ein Paket voller Eichenfrüchte als Ersatz für die seinerzeit raren Kaffeebohnen schnürte. Da die Kinder mit den Baumfrüchten aus dem fernen Russland gerne spielten, haben sie wohl drei der Eichenfrüchte im Garten vor dem Haus vergraben.

Eines der drei Bäumchen hat es im Laufe der Zeit zu etwas wirklich Großem gebracht: zur deutschen Eiche zum Gedenken an Bismarck.

Wir in Pfullingen haben mit unserer Bismarckeiche nicht nur ein Naturdenkmal, sondern eine wirkliche Rarität: Eine Bismarckeiche aus Russland – ein sehr schönes und wohl einmaliges Zeichen der Völkerverständigung. Gerade jetzt, in diesen weltweit so unsicheren Tagen und Wochen.

Mit dem Liedvers des Dichters Paul Gerhardt „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd‘ ein guter Baum, und lass mich Wurzeln treiben; verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben“ wünsche ich Ihnen im Namen der UWV Pfullingen eine gute und zugleich mutmachende Frühlingszeit und bin gespannt, welches Ihr Lieblingsbaum ist.

Schreiben Sie uns einfach: mail@uwv-pfullingen.de

Passen Sie auf sich und andere auf – bleiben Sie behütet und gesund!

Ihr Martin Fink



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